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Samstag, 31. August 2013

Russland 1/2 (Km 1477 - 7196)

Hallo Deutschland. Eigentlich hatte ich ueberlegt, erst aus Deutschland zu schreiben, jetzt finde ich aber doch noch die Zeit, fuer eure Sonntagslektuere zu sorgen...

Nach 22 Stunden wurde Riga wieder Verlassen. Der Simple Express Bus hatte keine Minute Verspaetung, dafuer aber auch erneut kein Wifi und keine Bordunterhaltung. Die knackige elf Stunden-Fahrt musste also auch so voruebergehen. Der Bus juckelte durch diverse kleine estlaendische Doerfer, um noch ein paar komische Gestalten einzusammeln, erreichte aber puenktlich, als ich gerade eingenickt war, die russische Grenze. Nachdem zuerst die Estlaender (oder Estonier) ueberprueft hatten, dass keine Terroristen an Bord waren, ging es ueber eine komplett bezaunte  Bruecke bei herrlichem Sonnenaufgang gen Russland, Auswaertsfeeling deluxe. Dann durften die Paesse erneut gezueckt werden, Probleme hatte nur der einzige Tourist an Bord, also ich, weil die gute Olga am Schalter nicht die Seite im Reisepass umblaettern wollte, sondern stur auf das Russland Visum aus dem Februar starrte. Irgendwann schnallte sie es aber doch und ich durfte eintreten und die Uhr mal wieder um eine Stunde vorstellen. Spacibo und dobryy den! Um 11 erreichte das Schlachtschiff St. Petersburg, hier wollte mich Egor, ein Arbeitskollege meines Vaters, einsammeln und zum Hostel bringen, der war nur nicht zu sehen. Der Busbahnhof bot jedoch freundlicherweise freies Internet und so konnte Egor vom anderen Busbahnhof herangelotst werden. In Egors Auto ging es dann zum Hostel. Ein Glueck, dass ich ihn dabei hatte, die Bude hatte natuerlich keinerlei Schild an der Tuer, da waer ich ohne kyrillisch und russisch Kenntnisse wohl dezent aufgeschmissen gewesen. Weil Check-In eh erst spaeter moeglich war, wurde die naechste Moeglichkeit fuer russische Speisen aufgesucht, Rechnung ging auf Egor, nur der Anfang der russischen Gastfreundschaft. Fuer den naechsten Tag wurde mir direkt ein Stadtrundgang angekuendigt, die Freundin von Egors Verlobten ist deutschsprachige Reisefuehrerin und war gerne bereit mir die Stadt zu zeigen, klasse. Nach der kleinen Staerkung wurden am Bahnhof die bereits aus Deutschland erworbenen Zugfahrkarten abgeholt. E-Ticket unter einen Scanner halten, Reisepassnummer eintippen, Ticket kommt raus, einfacher als Boarding an diesen manuellen Dingern. Alles organisatorische war also flott erledigt, deshalb fuhr Egor mit mir in seine Heimatstadt 'Puschkin', benannt nach dem beruehmten russischen Dichter. Dort befindet sich naemlich der Katerinen Park, eine Art russische Herrenhaeuser Gaerten, nur in gross und ohne Fontaene, dafuer aber mit 1000 mal so vielen Asiaten, die sind ja aber eh ueberall, also nicht ueberraschend. Zurueck in St. Petersburg wurde noch beim Asiaten gespeist. Das Bestellte stellte sich als koestlichen Lachs heraus, auch Egor bekam einen und hatte damit heute schon zum zweiten mal Lachs, ist ja aber auch am Meer dieses St. Petersburg, da kann man schon mal staendig Fisch essen. Zurueck zum Hostel ging es per Metro, also eine weitere in der Welt die befahren wurde, diesmal sogar die angeblich tiefste der Welt. Im Hostel nach ein wenig Wlan-Power und einer Dusche auch endgueltig in einen Todesschlaf verfallen, das war auch bitternoetig. Am naechsten Tag war ich fuer 10.30 Uhr mit Guide Julia verabredet. Wie es sich fuer Deutsche gehoert, war ich um Punkt 10.29 Uhr am Treffpunkt vor der Tuer des Hostels, nur von Julia keine Spur, auch sie konnte den Laden nicht finden, auf Laufkundschaft ist man hier wohl nicht angewiesen. Den Tag ueber wurden also die kulturellen Highlights von St. Petersburg abgeklappert, darunter natuerich diverse Kirchen, und ich m Fachwissen ausgestattet. An der Isaac Kathedrale stiess auch wieder Egor zu uns. Gluecklicherweise wurden uns vorm Eingang Tickets fuer den Aussichtsturm geschenkt, so gab es die Stadt von oben for free, wieder 4 Euro gespart, dafuer waren die anderen Eingaenge nur fuer Studenten mit ISIC Karte ermaessigt, meine war natuerlich abgelaufen, aber immerhin war ja schon die Stadtfuehrung gratis. Nach weiteren Kilometern durch die Stadt verabschiedete sich Julia abends an meinem Hostel von mir. Vielen Dank, bin ja sonst nicht so der Kultur-Fan, aber das hat Spass gemacht! Fuer mich stand auch nur noch ein Programmpunkt auf der Liste. Eine Metrofahrt zur tiefsten Station der Welt. Fuer zweimal 28 Rubel (43 Rubel = 1 Euro) hingefahren, ausgestiegen, hochgelaufen und wieder zurueckgefahren. Check!
Zurueck im Hostel dann auch fast direkt gepennt, erst wurde sich aber noch mit drei Deutschen unterhalten, die ebenfalls mit dem Zug durch Russland unterwegs waren, jedoch etwas erschrocken waren, dass ich tatsaechlich in der dritten Klasse fahren werde. Ein Wunder, dass die sich ueberhaupt nach Russland getraut haben, aber Papi hat ihnen gesagt, dass sie bloss 2. Klasse fahren sollen.
Am naechsten morgen ging es nach intensivem Ausschlafen und Abgammeln zum Bahnhof. Der Zug gen Moskau stand schon bereit und wurde von hektischen Russen und Chinesen betreten. Ich schaute mir das Treiben belustigt an und stieg kurz vor Abfahrt ein, gab ja schliesslich Sitzplatzreservierungen. Um 13:05 Uhr ging es auch los, Puenktlichkeit wird bei der russischen Bahn noch gross und kyrillisch geschrieben, sodass Moskau on time um 17:50 erreicht wurde. 4:50 h fuer die knapp ueber 500 km, gar nicht so schlecht. Leider ging waehrend der Fahrt mein Handy aus, auf dem ich die Adresse des Hostels in Moskau gespeichert hatte, immerhin die richtige Metro-Station wusste ich noch. Dort ereilten mich aber leichte Koordinationsprobleme, aber ein paar Jugendlich konnten auf gebrochenem Englisch helfen. Doof nur, dass auch hier das Hostel kein Schild hatte. Unwissend ging ich also ein paar mal im Kreis, fragte erfolglos hier und dort, um spaeter wieder bei meinen russischen Freunden zu landen, die mir sogar noch per google street view zeigten, wo das Hostel sein muesste. Dort klingelte ich dann auch mal, keine Reaktion. Zum Glueck betrat aber wenige Sekunden spaeter jemand den Eingang und nickte auf meine 'Hostel? Hier?'- Frage. Auch im Flur war aber keinerlei Schild zu erkennen, also an ein paar Tueren geruettelt bis eine aufging und siehe da, Hostel gefunden, geht doch. Nach kurzer Rast ging es ueber den roten Platz in Richtung eines Supermarktes, in dem sich fuer die anstehende 4 Tagestour im Zug versorgt wurde, ein Glueck konnte ich mir den Weg dorthin vom letyten mal merken, kommt ja auch nicht so oft vor. Am Kiosk noch 'ne Stange Zigarette gekauft, soll im laendlichen Russland gute Tauschwaren sein (ist es nicht) und dann ab ins Hostel, Abendessen, Bett.

Donnerstag 28.08.2013:

Tag der grossen Abreise. Endlich geht es ins Abenteuer transsibirische Eisenbahn. Am morgen stellte ich erst noch fest, dass der Kauf von Kaese eine absurd schlechte Idee war, weshalb ich die 150 gramm lieber komplett mit Brot verspeiste. Um 12 tuckelte ich dann mit der Metro zum Bahnhof, der praktischerweise genau neben dem, von dem ich aus St. Petersburg gekommen war, lag, also leicht zu finden war, weil ausserdem die Metrostation genau dazwischen liegt. Ein Gleis war diesmal noch nicht angeschlagen, so konnten noch Fotos vom Bahnhof und der umliegenden Gegend geknipst werden. 20 Minuten war immer noch nichts zu sehen, die Aufregung stieg, 5 Minuten spaeter war es aber so weit, Plattform 1, Zugnummer 80. Wieder hektisches Einsteigen der Russen, ich blieb wieder abwarauftend  dem Gleis und sah aus dem Augenwinkel mindestens einen Deuter Rucksack auf mich zuwackeln, das konnten ja eigentlich nur deutsche sein, waren es auch. Raphael und Silvia sind auf grosser Weltreise und sassen praktischerweise mit mir im Abteil. Als wir letztendlich doch im Zug waren, zogen wir direkt die neugierigen Blicke auf uns und es dauerte nicht lange da entwickelte sich eine Art Gespraech mit unserer Sitznachbarin Natalia, die zur besseren Verstaendnis noch die junge, etwas korpulente Oxcana heranrief, die zwei bis drei Woerter mehr englisch konnte. So wurden wir den Tag ueber ausgefragt. Immer mal wieder wurde sich Tee geholt (in jedem Waggon steht ein durchgaengig heisser Kuebel Wasser) und so verging der Tag bei vorbeirauschender Landschaft nicht wie im Flug, aber halt im Zug. Fuer die Nacht bot ich Natalia mein Bett an. Ich hatte naemlich das untere abbekommen und sie war doch gluecklich, nicht ins obere krabbeln zu muessen, in dem Sicherheitsgurte das Abstuerzen verhindern sollen. Duschen gibt es in der dritten und zweiten Klasse uebrigens nicht, es blieb also bei Zaehneputzen und Katzenwaesche, ehe es in die nicht wirklich gemuetlichen Betten ging. Einschlafen klaptte auch nicht so gut, aber erstmal geschlafen, wachte ich zu mindest nicht vor 10 Uhr wieder auf. Mittags verliess uns Natalia und Artem plus Kumpell stiegen hinzu. Die beiden aufgeweckten Typen beschenkten uns auch gleich mit kaltem Bier, Sivia und ich nahmen dankend an, Raphael ist glaubenstechnischer Nichttrinker und musste deswegen anders mit der Hitze von ueber 30 Grad (Fenster oeffnen impossible) klar kommen. Als die erste Fuhre Bier leer war, wollte ich mich revanchieren, durfte ich aber nicht, die beiden zahlten auch die naechsten zwei Bier, immerhin ein paar Chips durfe ich fuer alle erwerben. Da die muessige Unterhaltung irgendwann auch in Richtung Religion abschweifte, was ja bekanntlich das Smalltalk Nogo schlechthin ist, wurde es mit den beiden doch leicht anstrengend, sie verliessen uns aber auch nach 5 Stunden schon wieder, dafuer stieg dann die junge Julia ein, die auch ein wenig englisch konnte und auch sie nahm nach leichten Verstaendigungsproblemen das untere Bett an. Am naechsten Tag wurde bei einem Zwischenhalt Bekanntschaft mit einer illustrten Maennerrunde gemacht, die auch sogleich zu Wodka einluden. Weil Silvia und Raphael weniger begeistert waren, hielt ich die Fahne hoch und opferte mich. So richtig verstaendigen konnte ich mich zwar nicht, der Wodka bildete die Bruecke. Nach einer guten Runde konnte ich aber erfolgreich fliehen, vorher hatte ich allerdings schon ein gutes Stueck Schweinesalzbraten, was auch immer, geschenkt bekommen. Nett sind sie, die Russen. Der Rest des Tages wurde mit Lesen zugebracht, ehe es wieder Nacht wurde, schon wieder ein Tag rum. Erst wurde beim 50 minuetigem Stop aber noch das free Wifi genutzt, um sich mit Fussballergebnissen zu versorgen. Am letzten kompletten Reisetag gab es bei den Jungs nur noch Bier, ich nahm trotzdem an und hoerte mir zum 20sten mal an, dass sie zum rafting und fishing unterwegs waren. 'Extreme!' Mit Lesen, Gammeln, Tee trinken und Landschaft gucken und bei Zwischenstops Essen von den russischen Omis kaufen (superlecker!) verging auch der Tag wieder. Die letzte Nacht wurde auf Grund der vierten Zeitumstellung und fruehzeitigem Wecken recht kurz. Etwas ueber die Schaffnerin fluchtend, wurde sich bereit gemacht und um 9.30 Uhr Ortszeit das Zwischenziel Irkutsk erreicht.

In Irkutsk bin ich auch zur Zeit. Ueber die 5 Tage am Baikalsee schreib ich dann demnaechst. Morgen frueh geht es dann nach Wladiwostok, dieses mal sind es aber nur 3 Naechte im  Zug. Mal schauen wen ich dieses mal so treffe. Wirsing.

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